Vielen Dank für die Blumen, aber nehmt uns endlich ernst

Früher, als ich noch Auszubildende und Berufsanfängerin war, war es üblich an Weihnachten der Pflegenden zu gedenken, die an den Feiertagen ihren Dienst ableisten, während der Rest des Landes mit der Familie verbringt.

Mittlerweile ist Pflege ein relevantes Thema in Deutschland und daher werden wir Pflegenden nun auch während des Jahres immer öfter mit blumigen Lobeshymnen bedacht. Gerade wenn Wahlkampf ist:

Und ja, es streichelt so manche Pflegeseele, auf diese Weise etwas Wertschätzung und Anerkennung zu erhalten. Und eigentlich spricht auch nichts gegen schöne Worte.

Aber mit schönen Worten allein kann es nicht getan sein, davon gibt es viele. Wer die Nachrichten verfolgt hat, wird das beschämende Theater um die Generalistik mitbekommen haben. Da wurde erst ein Kompromiss verkündet, der so mies ist, dass man es gleich hätte bleiben lassen können (So würden zwei Drittel der dreijährigen Ausbildung zur Pflegeassistentin qualifizieren – HALLO?!), der offenbar auch noch Ergebnis eines Kuhhandels sein soll (Pflegeausbildung gegen Versandapotheke) und schließlich ruderte man doch wieder zurück. Ausgang weiterhin ungewiss.

Und dass man uns kurz nach dieser Posse großspurig zu „Helden der Gesellschaft“ erklärt, zeigt leider auch, dass man die berufliche Pflege nicht ernst nimmt. Weder als Profession, noch als Fachkräfte. Weil es mit ein paar netten Worten schon getan sein wird.

Vielen Dank für die Blumen, aber wir wollen viel lieber ernst genommen werden.

Equal Pay und die sogenannten Frauenberufe

Es ist wieder Equal Pay Day. Die Zeit im Jahr, in der wir Vorschläge diskutieren, wie die Lohnschieflage in Deutschland ausgeglichen werden kann.

Scherz! Natürlich werden wir wieder darüber diskutieren, OB es sich bei der allgemein bekannten Schieflage überhaupt um ein Problem handelt. Denn solange etwas gerechtfertigt werden kann, ist es keine Diskriminierung.

Ein Rechtfertigungsgrund für den Gender Pay Gap ist unter anderem die Berufswahl von Frauen. Denn würden Frauen sich nicht immer die falschen Berufe aussuchen, wäre die Lohngleichheit gar nicht so groß. Zu diesen Berufen gehören unter anderem soziale Berufe wie Pflegerin und Erzieherin. Und man wird nicht müde, in Equal-Pay-Diskussionen von genau diesen Berufen abzuraten. Und das trotz des derzeitigen Fachkräftemangels, der schon jetzt zu Problemen führt, einfach weil diese Berufe Tätigkeiten ausführen, die sowohl für den Einzelnen, als auch für die gesamte Gesellschaft notwendig und wichtig sind.

Und doch greifen in diesen Berufen die Angebot-Nachfrage-Mechanismen nicht. Was unter anderem auch damit zu tun hat, dass soziale Berufe  meist in irgendeiner Form aus öffentlicher Hand bzw. dem Sozialsystem bezahlt werden und diese Ressourcen nicht unendlich sind. Das ist aber nicht der einzige Grund, schließlich gelten nicht alle Berufe im öffentlichen Dienst als schlecht bezahlt.

Ein weiterer Faktor ist, dass man die Tätigkeiten der Pflegerinnen und Erzieherinnen fachlich nicht als besonders anspruchsvoll bewertet. Erzieherinnen spielen und singen mit den Kindern, Pflegerinnen wischen Ärsche ab und geben Essen ein. Und Menschen, die nicht in diesen Berufen arbeiten, können sich offenbar kaum vorstellen, dass hinter einfachen Handgriffen komplexe theoretische Konzepte stecken, die dann aber auf eine einzelne Person mit individuellen Anforderungen angewandt und zugeschnitten werden müssen. Stattdessen glaubt man, dass diese Tätigkeiten irgendwie in der Natur von Frauen liegt und gebt ihnen den Stellenwert von Wohltaten: Nett, aber nicht notwendig.

Und dann ist da noch die weit verbreitete Vorstellung, dass es den Menschen in diesen Berufen nicht ums Geld ginge. Gerade der Pflege wird ja gerne eine ordentliche Portion Altruismus unterstellt, deren größter Lohn ein Lächeln und ein Dankeschön ihrer Patient*innen ist. Fast schon anerkennend verweist man immer wieder darauf, dass die Pflegenden (momentan) nicht mehr Lohn, sondern vor allem bessere Arbeitsbedingungen fordern. Anders sah es im Sommer 2015 aus, als flächendeckend Kitas bestreikt wurden – da verbreitete sich, neben der Wut über die Bedrängnis der Eltern, sehr schnell die Auffassung, dass Erzieherinnen eigentlich sogar überbezahlt wären.

In den Diskussionen über Equal Pay und Gender Pay Gap wird gerne und viel darüber gesprochen wie man Frauen in MINT-Berufe und Führungspositionen bringt. Was einerseits natürlich gut und richtig ist, aber andererseits auch das Bild der seichteren anspruchslosen Sozialberufen zementiert. Es braucht daher genauso Diskussionen darüber, wie Berufe in denen sehr viele Frauen tätig sind (und das sind übrigens nicht nur Sozialberufe) besser bezahlt werden, anstatt die niedrigen Löhne dort als gegeben hinzunehmen. Und dies wäre übrigens nicht nur ein Selbstzweck, schließlich geht es auch darum wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen und wieviel uns die Unterstützung und Förderung der Schwächeren in unserer Gesellschaft ist.

Macht und Pflege

Vor ein paar Wochen erzählte ein Rettungsassistent auf Twitter, dass er während seiner Einsätze Menschen mit Behinderungen gerne mal duzt, woraufhin er sich deutlicher Kritik ausgesetzt sah. Er und einige andere rechtfertigten dies damit, dass er in der Regel nicht die Zeit hat, nach dem Nachnamen dieser Patienten zu fragen geschweige denn zu fragen, ob Duzen und Nennen beim Vornamen für diese überhaupt in Ordnung ist.

In einer Facebook-Gruppe löste kürzlich eine Pflegerin eine Diskussion über das „Auskotzen über nervige Patient*innen“ aus, als sie sich in einem Beitrag über eine adipöse Patientin mit Multipler Sklerose und entsprechend hohem Unterstützungsbedarf ausließ. Nicht wenige rechtfertigten dies mit „Psychohygiene“, schließlich soll man Frust nicht in sich hineinfressen.

Zwei Tage später wurde ein TV-Beitrag von „Team Wallraff“ gesendet, in der sich eine Undercover-Reporterin in Behindertenwerkstätten begab. Für großes Entsetzen sorgte unter anderem das Verhalten eines Betreuers, der einer behinderten Frau zum Spaß ihren Schal, der zum Auffangen ihres Speichelflusses diente, um die Augen band und sie teilweise wie einen Hund zu sich rief.

Drei unterschiedliche Fälle aus unterschiedlichen Settings, aber sie alle haben mit beruflichen Beziehungen zwischen Helfenden und Hilfsbedürftigen zu tun. Und ich halte es für unerlässlich, sich mit dieser Beziehung auseinanderzusetzen. Egal in welchem Bereich Menschen betreut oder behandelt werden.

Die Menschen, die wir betreuen sind nicht selten in hohem Maße auf uns angewiesen und können sich schlimmstenfalls nicht einmal dagegen wehren, wenn sie unser Verhalten ihnen gegenüber nicht wollen und wir ihre Grenzen überschreiten. Diese Beziehung hat ein Machtgefälle, in dem wir als Pflegende, Betreuende, Helfende etc. am längeren Hebel sitzen.

Und weil aus großer Macht große Verantwortung folgt, sind wir aufgefordert immer wieder unser Verhalten und auch unser eigenes Menschenbild zu reflektieren und hinterfragen. Wenn wir in unseren Berufen von Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft sprechen, müssen wir uns auch dieses Machtgefälles bewusst sein, damit wir nicht Gefahr laufen sie auszunutzen, weil die, denen wir helfen wollen, uns ihre Grenzen nicht aufzeigen können.

Das ist natürlich ein hoher Anspruch an uns. Und er beginnt nicht erst, wenn die Wehrlosigkeit von Menschen ausgenutzt wird. Er beginnt in unseren Köpfen, wenn wir die Patientin dafür verantwortlich machen, dass sie sich aufgrund eines hohen Unterstützungsbedarfes so häufig melden. Oder wenn wir glauben, dass es uns zusteht einen Erwachsenen mit Behinderung ungefragt zu duzen, weil die Betreuenden in seiner Heim- oder Arbeitsstätte das auch tun.

So kann es dann auch nicht sein, dass so ein Verhalten mit Zeitmangel, Überforderung oder „Psychohygiene“ gerechtfertigt wird. Jemanden zu fragen, ob ich ihn duzen kann, ist keine Zeitfrage, sondern eine Frage des Anstandes. Wenn ich mit einer Patientin überfordert bin, muss ich ganz klar die Grenze ziehen und mit meinem Team und nicht zuletzt auch mit der Patientin selbst, einen Weg finden, wie die Betreuung besser organisiert werden kann. Genau so reicht es nach einem Skandal wie bei „Team Wallraff“ auch nicht, sich auf die Schulter zu klopfen weil es „unseren“ Bewohner*innen gut geht und in unseren Betrieben alles tutti ist. Vielmehr sollten solche Nachrichten zum Anlass genommen werden, das eigene Verhalten und die Organisation des Betriebs auf den Prüfstand zu stellen.

Wenn wir professionell helfen wollen, kommen wir nicht umhin uns dieser Verantwortung und diesem Anspruch zu stellen.

Stell dir vor Pflege steht auf und niemand sieht hin

Bestimmt kennen viele von euch den Facebook-Post von Jana Langer, die in einem offenen Brief an Angela Merkel Missstände in der Pflege anprangerte und grundlegende Reformen forderte. Schließlich wird derzeit lang und breit über ihren „Hilferuf“ berichtet.

Über die Verhandlungen für mehr Pflegepersonal im Saarland wird dagegen kaum berichtet. Dabei könnten demnächst 21 Akutkrankenhäuser bestreikt werden, wenn die nächsten Verhandlungen scheitern. (Und erinnert sich überhaupt noch jemand an den Streik an der Berliner Charité 2015?)

Ganz delikat ist es in der politischen Auseinandersetzung um die geplante Reform der Pflegeausbildung (Generalistik), bei der die drei Berufsausbildungen, nun zu einem einheitlichen Berufsbild zusammengeführt werden. Die Gegner argumentieren ganz deutlich, dass sich die Ausbildung dann für Interessierte mit Hauptschulabschluss „zu anspruchsvoll“ gestalten würde und sich auch nicht scheuen Alten- und Krankenpflege gegeneinander auszuspielen. Und im Gegensatz zu den Pflegeverbänden, die diese Reform begrüßen und fordern, können sich die Gegner Verhör verschaffen.

Wenn Pflege um Hilfe ruft, wird groß und breit berichtet. Wenn Pflege streikt, kriegt das kaum jemand mit. Und wenn Pflege etwas verändern will, schenkt man ihren Gegnern Aufmerksamkeit.

Ich frag jetzt einfach: Möchte man uns Pflegekräfte nur passiv und leidend sehen? Oder kann man sich gar nicht vorstellen, dass wir beruflich Pflegenden das Gesundheitswesen mit gestalten können?

Hört auf Pflegende als „Stille Helden“ zu bezeichnen!

Pflegende werden gerne als „Stille Helden“ hochstilisiert. Weil sie Kranke und Pflegebedürftige unter sehr erschwerten Bedingungen versorgen, ohne dass ihnen die verdiente Anerkennung und Aufmerksamkeit gewährt wird. Klingt nett, ist es aber nicht.

Wir Pflegenden werden schließlich nicht als Helden bezeichnet, weil unsere Leistungen so heldenhaft sind, sondern weil wir die körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen tapfer ertragen. Weil sich Gesellschaft und Arbeitgeber in der Regel immer darauf verlassen können, dass die Versorgung von Patienten und Pflegebedürftigen läuft, egal wie wenig Zeit und Personal dafür vorhanden ist. Ob wir noch immer Helden wären, wenn wir endlich ein paar Grenzen ziehen würden? Und wollen wir überhaupt Helden sein oder wollen wir nicht endlich mal als Fachkräfte der Gesundheitsversorgung ernst genommen werden, deren Arbeit mehr wert ist, als regelmäßige ein paar schöne Worte?

Abgesehen davon ist es hochproblematisch, dass man uns mit einem Titel beehrt, mit der ursprünglich die Menschen bezeichnet wurden, die versuchten ihre jüdischen Mitmenschen vor der Deportation zu bewahren. Angesichts der aktiven Rolle, die die Krankenpflege in Deutschland bei der nationalsozialistischen Rassenhygiene spielte, ist es purer Zynismus, die Pflegenden als „stille Helden“ zu bezeichnen. Und unser Berufsstand sollten den Anstand haben, dieses Label gar nicht erst anzunehmen.

Ausbruch aus dem Altenheim 

Möglicherweise habt von dem inoffiziellen Adidas-Werbevideo gehört, das aktuell rum geht. Inoffiziell, weil dieses Projekt im Rahmen eines Hochschulprojektes entstand und ursprünglich von der Firma Adidas abgelehnt wurde.

Interessant an diesem Video ist vor allem das Motiv: „Alter Mensch bricht aus dem Altenheim aus“. Dieses Motiv ist nicht ungewöhnlich, so handelt einer der bekannten Bestseller der letzten Jahre von einem Hundertjährigen der aus dem Altenheim ausbricht und Abenteuer erlebt. „Das Heim“ steht dabei sinnbildlich für den Verlust von Freiheit und Selbstbestimmung im Alter und gleicht dabei mehr einem Gefängnis, als einem „Heim“ in dem sie von Pflegenden bewacht werden.

Der Wunsch im hohen Alter noch selbstbestimmt leben zu können ist in der Bevölkerung ziemlich hoch. Man ist sich einig, dass ein langes Leben nicht erstrebenswert ist, wenn damit der Verlust von Selbstbestimmung einhergeht. Und dennoch schaffen wir es in Deutschland nicht, eine Altersversorgung zu gewährleisten, die diesem Wunsch nach Autonomie im Alter gerecht wird.

Dass die Zustände in den Pflegeheimen desaströs sind und es hier einen eklatanten Fachkräftemangel gibt ist hinlänglich bekannt. Die Prognosen zeigen, dass es eher schlimmer als besser werden wird, ebenfalls. Da muss man sich natürlich nicht wundern, dass Pflegebedürftigkeit und Pflegeheime als sehr bedrohlich wahrgenommen werden.

Aber es ist verwunderlich, dass es gesellschaftlich und politisch kaum Veranlassung gibt, daran grundlegend etwas zu verändern. Ist die Situation einfach nur noch nicht schlimm genug oder haben wir sie nur schon so lange hingenommen, dass wir sie uns gar nicht mehr anders vorstellen können? Zugegeben, notwendige Reformen werden Geld kosten. Und kann ein selbstbestimmtes Leben überhaupt in Geld bemessen werden?

Letzten Endes wird aber auch das keine Frage des Geldes sein, sondern eine Frage wie wir leben und miteinander leben wollen. Und ob wir eine Gesellschaft sein wollen, die sich, genau wie die Bewohner*innen im Video, gegenseitig hilft.

Journalismus und Pflege

​Über Pflege wird viel berichtet, so auch über den Pflegeberuf. Das ist gut, denn das Thema ist wichtig. Nur leider bekommt man immer wieder den Eindruck, dass Redaktionen sich nicht oder nur unzureichend über dieses Thema informieren. Ich habe hier Stilblüten zusammengetragen, mit einigen Tipps wie man es besser machen kann:

„Schwestern und Pfleger“

Leider immer noch ein großer Dauerbrenner und daher zwangsläufig ganz oben auf dieser Liste. Ich habe zwar manchmal das Gefühl, dass immer weniger von „Schwestern“ (im Sinne von „weibliche Pflegefachkraft“) gesprochen wird, zuletzt war diese Phrase im großen Spiegel-Titelthema „In der Krankenfabrik“ aber gleich mehrfach zu lesen.

Was ist das Problem? Frauen, die eine Pflegeausbildung abgeschlossen haben, sind weder Ordensfrauen, noch mit den Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert. Die Bezeichnung „Schwester“ ist veraltet, das zeigte sich bereits 2003 als die Berufsbezeichnung in „Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflegerin“ geändert wurde.

Natürlich kann man im Sinne der inkludierenden Sprache argumentieren. Aber erstens kann man genauso gut von „Pflegerinnen und Pflegern“ sprechen und zweitens ist in den selben Texten von „Ärztinnen“ meistens nie die Rede, sondern nur von „Ärzten“.

Und ja, liebe Journalist*innen, ihr kennt alle ganz ganz viele Pflegerinnen, die sich noch ganz selbstverständlich mit „Schwester Vorname“ vorstellen. Aber das macht „Schwester“ noch immer nicht zu einer offiziellen Bezeichnung und auch nicht richtiger.

Tipp für Redaktionen: Bezeichnet weibliche Pflegekräfte als „Pflegerinnen“

Tipp für Übersetzer*innen: Übersetzt das englische Wort „nurse“ mit Pfleger bzw. Pflegerin.

„Krankenschwestern“

2003 änderte sich die Berufsbezeichnung „(Kinder-)Krankenschwester“ in „Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflegerin“. Per Gesetz. Allerdings hat das in den Redaktionen offenbar niemand mitbekommen und schreiben noch immer nahezu durchgehend von „Krankenschwestern“ – egal ob damit die ganze Berufsgruppe oder auch nur eine einzelne Person gemeint ist, selbst wenn diese eindeutig zu jung sind, um tatsächlich noch „Krankenschwester“ auf ihrer Berufsurkunde stehen zu haben. Richtig peinlich wird es , wenn über die geplante Reform der Pflegeausbildung berichtet wird und dabei von „Krankenschwestern“ die Rede ist. Man sollte ja meinen, dass es zur journalistischen Sorgfalt gehört, sich wenigstens über den aktuellen Stand der Ausbildung(en) zu informieren und in diesem Fall wäre es mit Google und Wikipedia sogar schon getan gewesen. Dennoch war man in den Redaktionen von der Tagesschau oder dem ZDF Berlin direkt  der festen Überzeugung, dass noch immer „Krankenschwestern“ ausgebildet werden.

Tipp für Redaktionen: Ihr müsst natürlich nicht „Gesundheits- und Krankenpflegerin“ bzw. „Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin“ ausschreiben, es genügt voll und ganz, wenn ihr von „Krankenpflegerinnen“ und „Kinderkrankenpflegerinnen“ schreibt oder sprecht. Aber Krankenschwester ist definitiv out.

Pflegeexperten

Da Pflege immer wichtiger wird, halten sich gerade die Parteien sogenannte „Pflegeexpert*innen“. Aber auch wer viel zum Thema Pflege zu sagen hat, wird sehr schnell zur „Pflegeexpert*in“ gekürt. Bei genauem Hinsehen, haben diese häufig keine pflegerische Expertise. Häufig kommen sie aus der Medizin oder aus der Gesundheits- bzw. Sozialwirtschaft. Vielleicht haben sie noch Soziale Arbeit studiert. Nicht wenige vertreten vor allem die Arbeitgeberseite. Pflegerische Tätigkeiten sucht man in diesen Lebensläufen vergebens. Ausgebildete oder vielleicht sogar studierte Pflegekräfte kommen dabei eher selten als „Expert*innen“, denn als Leidtragende des Systems zu Wort. Und das obwohl es in Deutschland Berufsverbände und sogar eine Pflegekammer gibt. Einige Gewerkschaften haben Arbeitsgruppen, die Pflegekräfte vertreten. Außerdem gibt es im Zuge der Akademisierung bereits etliche Absolvent*innen aus den Bereichen Pflegewissenschaft, Pflegemanagement und Pflegepädagogik. Mit relativ wenig Aufwand, lassen sich so Pflegeexpert*innen mit pflegerischer Expertise finden.

Tipp für Redaktionen: Fragt an Berufsverbänden, Pflegekammern, Hochschulen und Instituten der Pflegeforschung nach Ansprechpartner*innen. Zeigt Berufspflegende nicht nur als Leidtragende, sondern gebt ihnen die Möglichkeit, als ausgebildete Fachkräfte Stellung zu beziehen.

Füttern

Gerne werden auch mal Pflegetätigkeiten benannt. Darunter auch das sogenannte „Füttern“. Ein Begriff, von dem man in der Pflege selbst mittlerweile großen Abstand nimmt, weil er entmenschlicht. Menschen, auch wenn sie pflegebedürftig sind, nehmen Mahlzeiten zu sich. Menschen essen. Auch in Pflegeheimen gibt es Mahlzeiten und keine Fütterungszeiten. Wenn Menschen nicht in der Lage sind selbstständig zu Essen, erhalten sie Hilfe und Unterstützung. Wenn notwendig, wird es ihnen angereicht.

Tipp für Redaktionen: Schreibt „Essen anreichen“. Das Wort Füttern hat in der pflegerischen Versorgung von Menschen nichts verloren.

Hallo Welt!

Nachdem sich auf meinem persönlichen Blog die Pflegethemen häuften, war es an der Zeit ihnen einen eigenen Raum zu geben. Eine über jeden Zweifel erhaben repräsentative Twitterumfrage gab mir dabei Recht 😉

Was erwartet euch hier?

Vor allem will ich Euch an meinen Gedanken und Erfahrungen zum und im Pflegeberuf teilhaben lassen und mich mit euch austauschen. Nicht nur mit Pflegekräften sondern gerade auch mit Leuten, die nicht in der Pflege arbeiten und daher auch eine weitere Perspektive mitbringen. In den Medien wird mittlerweile immer öfter über Pflege gesprochen, allerdings zu selten mit der Pflege und dann auch noch vor dem Hintergrund veralteter Ansichten und Denkweisen über den Beruf. Deswegen ist es wichtig, dass sich zu Pflegethemen nicht nur sogenannte „Pflegeexperten“, sondern auch Pflegefachkräfte äußern (und das darf man gerne als Aufruf verstehen, liebe Kolleg*innen). Da ich in der Vergangenheit bereits einiges über Pflege geschrieben habe, werde ich den einen oder anderen Beitrag hier reposten, gegebenenfalls nachdem ich ihn aktualisiert habe.

Wie einige von Euch wissen, studiere ich und arbeite im Schichtdienst. Die Artikel werden also kommen, wie sie fallen.
Damit aufrecht-pflegen wachsen und gedeihen kann, sind Wünsche, Beschwerden und Anträge natürlich immer gern gesehen. Selbstverständlich immer konstruktiv und mit gegenseitigem Respekt.

Ich bin selbst sehr gespannt, wie sich dieses Projekt entwickeln wird. Und damit wünsche ich Euch allen ein erfolgreiches neues Jahr.