Hört auf Pflegende als „Stille Helden“ zu bezeichnen!

Pflegende werden gerne als „Stille Helden“ hochstilisiert. Weil sie Kranke und Pflegebedürftige unter sehr erschwerten Bedingungen versorgen, ohne dass ihnen die verdiente Anerkennung und Aufmerksamkeit gewährt wird. Klingt nett, ist es aber nicht.

Wir Pflegenden werden schließlich nicht als Helden bezeichnet, weil unsere Leistungen so heldenhaft sind, sondern weil wir die körperlichen, psychischen und sozialen Belastungen tapfer ertragen. Weil sich Gesellschaft und Arbeitgeber in der Regel immer darauf verlassen können, dass die Versorgung von Patienten und Pflegebedürftigen läuft, egal wie wenig Zeit und Personal dafür vorhanden ist. Ob wir noch immer Helden wären, wenn wir endlich ein paar Grenzen ziehen würden? Und wollen wir überhaupt Helden sein oder wollen wir nicht endlich mal als Fachkräfte der Gesundheitsversorgung ernst genommen werden, deren Arbeit mehr wert ist, als regelmäßige ein paar schöne Worte?

Abgesehen davon ist es hochproblematisch, dass man uns mit einem Titel beehrt, mit der ursprünglich die Menschen bezeichnet wurden, die versuchten ihre jüdischen Mitmenschen vor der Deportation zu bewahren. Angesichts der aktiven Rolle, die die Krankenpflege in Deutschland bei der nationalsozialistischen Rassenhygiene spielte, ist es purer Zynismus, die Pflegenden als „stille Helden“ zu bezeichnen. Und unser Berufsstand sollten den Anstand haben, dieses Label gar nicht erst anzunehmen.

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