Journalismus und Pflege

​Über Pflege wird viel berichtet, so auch über den Pflegeberuf. Das ist gut, denn das Thema ist wichtig. Nur leider bekommt man immer wieder den Eindruck, dass Redaktionen sich nicht oder nur unzureichend über dieses Thema informieren. Ich habe hier Stilblüten zusammengetragen, mit einigen Tipps wie man es besser machen kann:

„Schwestern und Pfleger“

Leider immer noch ein großer Dauerbrenner und daher zwangsläufig ganz oben auf dieser Liste. Ich habe zwar manchmal das Gefühl, dass immer weniger von „Schwestern“ (im Sinne von „weibliche Pflegefachkraft“) gesprochen wird, zuletzt war diese Phrase im großen Spiegel-Titelthema „In der Krankenfabrik“ aber gleich mehrfach zu lesen.

Was ist das Problem? Frauen, die eine Pflegeausbildung abgeschlossen haben, sind weder Ordensfrauen, noch mit den Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert. Die Bezeichnung „Schwester“ ist veraltet, das zeigte sich bereits 2003 als die Berufsbezeichnung in „Gesundheits- und (Kinder-) Krankenpflegerin“ geändert wurde.

Natürlich kann man im Sinne der inkludierenden Sprache argumentieren. Aber erstens kann man genauso gut von „Pflegerinnen und Pflegern“ sprechen und zweitens ist in den selben Texten von „Ärztinnen“ meistens nie die Rede, sondern nur von „Ärzten“.

Und ja, liebe Journalist*innen, ihr kennt alle ganz ganz viele Pflegerinnen, die sich noch ganz selbstverständlich mit „Schwester Vorname“ vorstellen. Aber das macht „Schwester“ noch immer nicht zu einer offiziellen Bezeichnung und auch nicht richtiger.

Tipp für Redaktionen: Bezeichnet weibliche Pflegekräfte als „Pflegerinnen“

Tipp für Übersetzer*innen: Übersetzt das englische Wort „nurse“ mit Pfleger bzw. Pflegerin.

„Krankenschwestern“

2003 änderte sich die Berufsbezeichnung „(Kinder-)Krankenschwester“ in „Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpflegerin“. Per Gesetz. Allerdings hat das in den Redaktionen offenbar niemand mitbekommen und schreiben noch immer nahezu durchgehend von „Krankenschwestern“ – egal ob damit die ganze Berufsgruppe oder auch nur eine einzelne Person gemeint ist, selbst wenn diese eindeutig zu jung sind, um tatsächlich noch „Krankenschwester“ auf ihrer Berufsurkunde stehen zu haben. Richtig peinlich wird es , wenn über die geplante Reform der Pflegeausbildung berichtet wird und dabei von „Krankenschwestern“ die Rede ist. Man sollte ja meinen, dass es zur journalistischen Sorgfalt gehört, sich wenigstens über den aktuellen Stand der Ausbildung(en) zu informieren und in diesem Fall wäre es mit Google und Wikipedia sogar schon getan gewesen. Dennoch war man in den Redaktionen von der Tagesschau oder dem ZDF Berlin direkt  der festen Überzeugung, dass noch immer „Krankenschwestern“ ausgebildet werden.

Tipp für Redaktionen: Ihr müsst natürlich nicht „Gesundheits- und Krankenpflegerin“ bzw. „Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin“ ausschreiben, es genügt voll und ganz, wenn ihr von „Krankenpflegerinnen“ und „Kinderkrankenpflegerinnen“ schreibt oder sprecht. Aber Krankenschwester ist definitiv out.

Pflegeexperten

Da Pflege immer wichtiger wird, halten sich gerade die Parteien sogenannte „Pflegeexpert*innen“. Aber auch wer viel zum Thema Pflege zu sagen hat, wird sehr schnell zur „Pflegeexpert*in“ gekürt. Bei genauem Hinsehen, haben diese häufig keine pflegerische Expertise. Häufig kommen sie aus der Medizin oder aus der Gesundheits- bzw. Sozialwirtschaft. Vielleicht haben sie noch Soziale Arbeit studiert. Nicht wenige vertreten vor allem die Arbeitgeberseite. Pflegerische Tätigkeiten sucht man in diesen Lebensläufen vergebens. Ausgebildete oder vielleicht sogar studierte Pflegekräfte kommen dabei eher selten als „Expert*innen“, denn als Leidtragende des Systems zu Wort. Und das obwohl es in Deutschland Berufsverbände und sogar eine Pflegekammer gibt. Einige Gewerkschaften haben Arbeitsgruppen, die Pflegekräfte vertreten. Außerdem gibt es im Zuge der Akademisierung bereits etliche Absolvent*innen aus den Bereichen Pflegewissenschaft, Pflegemanagement und Pflegepädagogik. Mit relativ wenig Aufwand, lassen sich so Pflegeexpert*innen mit pflegerischer Expertise finden.

Tipp für Redaktionen: Fragt an Berufsverbänden, Pflegekammern, Hochschulen und Instituten der Pflegeforschung nach Ansprechpartner*innen. Zeigt Berufspflegende nicht nur als Leidtragende, sondern gebt ihnen die Möglichkeit, als ausgebildete Fachkräfte Stellung zu beziehen.

Füttern

Gerne werden auch mal Pflegetätigkeiten benannt. Darunter auch das sogenannte „Füttern“. Ein Begriff, von dem man in der Pflege selbst mittlerweile großen Abstand nimmt, weil er entmenschlicht. Menschen, auch wenn sie pflegebedürftig sind, nehmen Mahlzeiten zu sich. Menschen essen. Auch in Pflegeheimen gibt es Mahlzeiten und keine Fütterungszeiten. Wenn Menschen nicht in der Lage sind selbstständig zu Essen, erhalten sie Hilfe und Unterstützung. Wenn notwendig, wird es ihnen angereicht.

Tipp für Redaktionen: Schreibt „Essen anreichen“. Das Wort Füttern hat in der pflegerischen Versorgung von Menschen nichts verloren.

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